Mensch und Kirche

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 Betreff des Beitrags: Verantwortung von Bischof Williams
BeitragVerfasst: 16. Juli 2008 23:59 
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Registriert: 23. April 2008 00:32
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Man liest immer wieder selbst von seriösen Blättern den Vorwurf, der Erzbischof von Canterbury sei mit dem Konflikt überfordert, habe falsch reagiert, sei zu zögerlich, schwach usw.
Ist er bei einer Kirchenspaltung in seinem Amt noch haltbar?


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BeitragVerfasst: 17. Juli 2008 00:24 
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Er ist Erzbischof, kein gewählter Politiker, von daher ist für mich die Fragestellung "ist er im Amt noch haltbar?" falsch - wer könnte ihn deswegen (i.e. ein eventuelles Schisma) absetzen?

Ich kenne mich mit dem CoE-Kirchenrecht nicht aus, bei uns Alt-Katholiken wäre ein Bischof nur durch die Synode absetzbar, wenn er vom Glauben abfiele, er könnte des Amtes enthoben werden wegen einer schwerwiegenden Pflichtverletzung oder wegen einer Ärgernis erregenden Lebensführung (durch das Synodalobergericht) oder wenn er
durch körperliches oder geistiges Gebrechen auf Dauer dienstunfähig würde (vgl. § 26 SGO, http://www.alt-katholisch.de/fileadmin/ ... /recht.pdf) - ich würde beim ABC keines dieser Kriterien als zutreffend feststellen können.

JM2C

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Vanitas vanitatum et omnia vanitas.


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BeitragVerfasst: 17. Juli 2008 00:26 
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Registriert: 23. April 2008 00:32
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Es geht um Verantwortung, nicht um Kirchenrecht!


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BeitragVerfasst: 17. Juli 2008 01:32 
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techAdmin
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Registriert: 2. Oktober 2005 14:58
Beiträge: 2669
Wohnort: Potsdam
Ehrlich gesagt, ich halte das ganze Gerede und Geplänkel für überflüssig. Der Mann ist in einer enorm schwierigen SItuation und wird -- da er ja die Mitte sucht -- von den Extremisten beider Lager ständig attackiert. Daß er dabei die Ruhe bewahrt, ist erstaunlich und bewundernswert. Und daß die GAFCON-Herrschaften offen versuchten, ihn aus dem Spiel zu schneiden, war m.E. ein gewaltiger Eigentor.

Ich glaube, keiner könnte seine Arbeit besser machen als er, und seine Kritiker wollen eine Kontroverse schnüren, in der Hoffnung, daß die eigene Position dadruch gestärkt wird (oder daß sie mehr Zeitungen verkaufen).

Cheers,

John

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Meine Website /// My blog (in English) – theology and other things
Der Beweis, dass Gott einen Sinn für Humor hat: Er hat die Menschheit geschaffen.


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BeitragVerfasst: 17. Juli 2008 10:38 
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Registriert: 4. Dezember 2007 11:25
Beiträge: 2035
Johann hat geschrieben:
Es geht um Verantwortung, nicht um Kirchenrecht!


Eben! Er ist kein englischer Papst, der einfach mal so ein Machtwort sprechen kann. Die einzelnen (Teil-) Kirchen sind, wohl ähnlich wie in der Orthodoxie, unabhängig. Man darf dann natürlich auch die Frage stellen, wie er das hätte anders managen sollen. Rigoros gegen schwule und weibliche Bischöfe vorgehen? Konsequent die konservative Position unterstützen? Man sieht ja, wie einseitig das Rom macht und wie die Gläubigen darauf reagieren. Er hat den Kompromiss gesucht, hat um einen Konsens gekämpft, doch man wollte ihn nicht! Ich frage mich dann auch, wie verantwortlich die einzelnen Lager in ihrem Kampf umgehen und ohne Rücksicht auf Verluste versuchen, ihre Idee in Reinform durchzusetzen. Die Verantwortung liegt bei den Streithanseln; sie müssen ihrer Mehrheit den Konflikt erklären (und warum das ihnen den Bruch mit der weltweiten anglikanischen Gemeinschaft wert war).

Tarec

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Keiner von euch ist ein Gläubiger, solange er nicht seinem Bruder wünscht, was er sich selber wünscht.

Goldene Regel


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BeitragVerfasst: 17. Juli 2008 13:02 
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John Der Echte

Registriert: 6. Oktober 2005 15:33
Beiträge: 3003
Wohnort: Mitten in Deutschland
Ich stimme John und Tarec zu!

Die Presse hat einfach einen Sündenbock gesucht und betreibt lustig Rowan Williams-Bashing, einfach weil er sich als Opfer anbietet. Meine Sicht der Dinge ist anders. Der Hauptvorwurf war ja, er habe zu wenig Autorität gezeigt und zuwenig "geführt". Das stimmt aber nicht. Man sollte nicht vergessen, daß er im rechtlichen Sinne keine "Macht" hat, sondern nur seine geistliche Autorität. Diese hat er sehr wohl eingesetzt, aber man wollte ihm nicht zuhören. Wie die meisten Extremistengruppen in allen Traditionen, sind auch unsere Evangelikalen und Extremliberalen nur bereit, Autoritäten zu akzeptieren, die sie sich selbst wählen und die verkünden, was ihnen paßt. Stattdessen hat der Erzbischof sehr klar gemacht, was das Gebot der Stunde ist: Statt vorschneller Schritte braucht es Dialog. Statt Schisma braucht es ein vertieftes Nachdenken darüber, was es bedeutet, bei unterschiedlichen Meinungen EINE Kirche zu sein. Alles kann nur gelöst werden, wenn alle neu auf die Stimme des Evangeliums hören. Man hat ihn niedergeschrieen, weil man das nicht hören wollte. Statt einem Listening-Process wollten die Schismatiker ihre eigene Agenda durchdrücken. Deswegen haben sie ihn ignoriert - um ihm im gleichen Atemzug "mangelnde Führung" vorzuwerfen. Das ist verlogen und heuchlerisch.

Eine Hoffnung ist allerdings, daß diese Ausflüchte auf der jetzt begonnen Lambeth Conference nicht mehr ziehen. Die Conference beginnt derzeit mit einem dreitägigen Retreat der Bischöfe in den Cathedral Precincts. Keine Presse, keine Öffentlichkeit, keine externe Beeinflussung. Nur beten und reden und hören. Bevor die Konferenz am Sonntag offiziell beginnt, wird der Erzbischof insgesamt sechsmal die Möglichkeit haben, die Bischöfe ausführlich anzusprechen. Das ist großartig - und ich erwarte, daß dies einen großen Einfluß haben wird. Eine Zeitung schrieb schon von einem "Outbreak of Peace".


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