Mensch und Kirche

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BeitragVerfasst: 19. Juni 2009 02:32 
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Utrechter Union hat geschrieben:
Ringen um neue Strukturen in der anglikanischen
Kirche


Vom 2. bis 12. Mai 2009 tagte der Anglican Consultative Council (ACC) in Kingston /Jamaika.

Beobachter der altkatholischen Kirchen bzw. der Internationalen
Altkatholischen Bischofskonferenz war Bistumsverweser Dr. Harald Rein aus der
Schweiz. Hier seine Eindrücke in Kurzform:
Der Anglikanische Konsultativrat, der jede 2 bis 3 Jahre tagt, umfasst etwa 100 Delegierte. Er
setzt sich nach einem komplexen Verteilungsschlüssel zusammen, der alle Mitgliedskirchen
bzw. Kirchenprovinzen berücksichtigt nach Mitgliederzahl, Männer und Frauen,
Altersgruppen, Geistliche und Laien. Neben den Lambeth-Konferenzen (jede 10 Jahre, alle
Bischöfe) und dem „Primates Meeting“ (jährlich, alle Oberhäupter der Kirchenprovinzen) ist
er das bedeutendste Gremium im Sinne von repräsentativ, auch wenn seine Beschlüsse bisher
nicht bindend waren. Und gerade darin liegen die gegenwärtigen Probleme der 80 Millionen
Anglikaner als weltweite Kirchengemeinschaft begründet. Es werden neue, verbindlichere
Strukturen gewünscht, die in heiklen Fragen mehr Einheit und Beschlüsse von verbindlichem
Charakter ermöglichen. Es geht um die Spannung zwischen der Autonomie der einzelnen
Mitgliedskirchen und das, was die Anglikaner im Sinne von Identität verbindet. Wie z.B. die
Frage, ob man Menschen, die in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung leben, zum Bischof
wählen und weihen darf. Auch wenn die Details noch in eingesetzten Kommissionen zu
beraten und zu formulieren sind und definitive Beschlüsse erst bei der nächsten Versammlung
des ACC gefasst werden, skizziert sich folgender Lösungsweg:
1) Die Mitgliedskirchen wollen sich bis zur nächsten Versammlung weiter an folgendes
halten: vorläufig keine Bischofsweihen mehr an Menschen, die in
gleichgeschlechtlicher Partnerschaft leben; vorläufig keine Inkraftsetzung von
offiziellen Liturgien mehr, die die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften
zum Inhalt haben; kein Bischof darf „abtrünnige Gemeinden“ eines anderen Bistums
unter seine Jurisdiktion aufnehmen oder Bischöfe für diese weihen.
2) An der nächsten Versammlung soll die anglikanische Kirchengemeinschaft auf eine
neue Grundlage gestellt werden. In diesem Anglikanischen Bund (Anglican
Convenant) sollen klare Regeln festlegen, wie man künftig mit Streitigkeiten umgeht,
wie dabei entschieden wird und welche Konsequenzen ein Nichteinhalten von
Beschlüssen für eine Mitgliedskirche hat.
De facto läuft das meines Erachtens darauf hinaus, dass der Erzbischof von Canterbury und
die Oberhäupter der anderen Kirchenprovinzen im ACC ein stärkeres Gewicht bekommen wie
bisher und Kirchenprovinzen, die einen Beschluss des ACC nicht einhalten wollen bzw.
können, selbst ihre Mitgliedschaft aussetzen können, auch zeitlich befristet.
Harald Rein
Quelle: http://utrechter-union.org/german/news/ACCKurzberichtRein.pdf


Da scheint sich wirklich was zu tun. Die Kirchen sollen keine Homosexuellen mehr Weihen dürfen, bzw. keine homosexuellen Partnerschaften mehr segnen dürfen, dafür sollen keine Parallelstrukturen mehr errichtet werden.

Was ist von der Gründung dieses Anglican Convenant zu halten?

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Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Alles ist durch das Wort geworden und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist. (Joh 1,1/3)


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BeitragVerfasst: 19. Juni 2009 09:33 
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Raphi hat geschrieben:
Da scheint sich wirklich was zu tun. Die Kirchen sollen keine Homosexuellen mehr Weihen dürfen, bzw. keine homosexuellen Partnerschaften mehr segnen dürfen, dafür sollen keine Parallelstrukturen mehr errichtet werden.

Ich würde es noch nicht so schwarz sehen.

Erstens, es gibt keine Garantie, daß der Covenant (nicht "Convenant" BTW, da ist ein "n" zu viel) tatsächlich umgesetzt wird -- da gibt es genug Widerstand aus den eher liberalen anglikanischen Kirchen (etwa USA, Kanada, Schottland, Neuseeland, Wales) sowie vom liberalen Flügel der Church of England, daß das Ganze durchaus kippen könnte -- was hätte der "Anglican" Covenant für einen Sinn, wenn ++Canterbury selbst nicht daran beteiligt ist?

Zweitens, was tatsächlich vereinbart wird ist ein Absehen von der Einführung von offiziellen Segensriten für homosexuelle Partner -- sprich: eine komplette Liturgie im Book of Common Prayer. Es ist aber längst der Fall, daß Bischöfe und Priester auf Anfrage eine solche Feier verantstalten oder veranstalten lassen -- nur mit inoffiziellen Liturgien. (Exakt der Stand im deutschen Bistum, dürfte ich hinzufügen.) Diese Situation wird m.W. vom Covenant gar nicht angesprochen.

Drittens -- und ich hoffe, ich trete den homosexuellen Mitglieder hierbei nicht auf die Füße -- ich finde, in der aktuellen hoch angespannten Atmosphäre, daß es wenig Sinn hat, um jeden Preis aktive Homosexuelle zu Bischöfe zu weihen. Der Bischof ist primär der Mittelpunkt der Kirche, der Garant der Einheit innerhalb und außerhalb seines Bistums. Zwar gebe ich frei zu, es ist sicherlich leicht für mich als Nicht-Betroffener zu sagen, aber es ist mir einfach nicht Wert, die Kirche zu spalten, nur damit man Bischöfe hat, die ohnehin ihre Funktion als Einheitsschlüssel nicht verkörpern können. Wir müssen irgendwie zumindest vorläufig einen Kompromiß finden, womit alle leben können, bis wir einen Konsens für die volle Akzeptanz Homosexueller aufbauen können -- und dabei den Ball flach halten.

Daher finde ich die aktuelle Situation in den liberalen Kirchen zwar lange nicht perfekt, aber ich sehe keine Möglichkeit, sie mal eben nachzubessern, ohne die Kirche selbst dabei zu zerstören. Die Gefühle und Wünsche unsere homosexuellen Mitglieder in allen Ehren, aber ich glaube nicht, daß ihnen eine zunehmend kleiner werdende "Kirche für die Homosexuelle" viel nützen wird, denn sie wären genau so isoliert und ausgegrenzt wie zuvor, nur daß sie sich in einer "eigenen" Kirche befinden, die in der Ökumene mit hoher Wahrscheinlichkeit wie ein schwarzes Schaf behandelt wird. Das kann nicht das gewünschte Ergebnis sein.

Daher ist mehr Überzeugungsarbeit und Argument notwendig, bevor wir überhaupt an weitere Schritte denken können. Wie meine Mutter gerne sagt, "we'll cross that bridge when we come to it".

Cheers,

John

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BeitragVerfasst: 19. Juni 2009 10:08 
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Ich denke, als Kompromiss wäre es doch ok. Man verzichtet auf homosexuelle Bischöfe, aber es gibt weiterhin homosexuelle Priester. Eine ofizielle Liturgie wird es auch nicht geben, aber als inoffizielle Praxis wird es weiter solche Segnungen geben.

Dafür wird die Situation mit den abtrünnigen Gemeinden ein Ende finden, und die müssen sich irgendwie wieder integrieren. Vielleicht könnte man in den USA für Sie auch nach englischem Vorbild flying bishops ernennen oder so.


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BeitragVerfasst: 19. Juni 2009 10:14 
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Willibrord hat geschrieben:
Dafür wird die Situation mit den abtrünnigen Gemeinden ein Ende finden, und die müssen sich irgendwie wieder integrieren. Vielleicht könnte man in den USA für Sie auch nach englischem Vorbild flying bishops ernennen oder so.

"Flying bishops" gibt es in den USA bereits, nur dort heißt es im örtlichen Jargon "DEPO".

Allerdings wird das m.W. kaum in Anspruch genommen -- viele der Konservativen sind nach einer heftigen Propganda-Kampagne dermassen paranoid gemacht worden, daß es ihnen lieber ist, Bischöfe von außen zu suchen...und einige Bischöfe möchten DEPO-Gemeinden in ihren Gebieten um jeden Preis abwimmeln oder zur Konformität bezwingen.

Cheers,

John

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BeitragVerfasst: 19. Juni 2009 19:29 
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JohnGrantham hat geschrieben:
(...) ich finde, in der aktuellen hoch angespannten Atmosphäre, daß es wenig Sinn hat, um jeden Preis aktive Homosexuelle zu Bischöfe zu weihen. Der Bischof ist primär der Mittelpunkt der Kirche, der Garant der Einheit innerhalb und außerhalb seines Bistums. Zwar gebe ich frei zu, es ist sicherlich leicht für mich als Nicht-Betroffener zu sagen, aber es ist mir einfach nicht Wert, die Kirche zu spalten, nur damit man Bischöfe hat, die ohnehin ihre Funktion als Einheitsschlüssel nicht verkörpern können. Wir müssen irgendwie zumindest vorläufig einen Kompromiß finden, womit alle leben können, bis wir einen Konsens für die volle Akzeptanz Homosexueller aufbauen können -- und dabei den Ball flach halten.



"ich finde, in der aktuellen hoch angespannten Atmosphäre, daß es wenig Sinn hat, um jeden Preis Frauen zu Bischöfe zu weihen. Der Bischof ist primär der Mittelpunkt der Kirche, der Garant der Einheit innerhalb und außerhalb seines Bistums. (...) Wir müssen irgendwie zumindest vorläufig einen Kompromiß finden, womit alle leben können, bis wir einen Konsens für die volle Akzeptanz von Frauen aufbauen können."

"ich finde, in der aktuellen hoch angespannten Atmosphäre, daß es wenig Sinn hat, um jeden Preis Geschiedene zu Bischöfe zu weihen. Der Bischof ist primär der Mittelpunkt der Kirche, der Garant der Einheit innerhalb und außerhalb seines Bistums. (...) Wir müssen irgendwie zumindest vorläufig einen Kompromiß finden, womit alle leben können, bis wir einen Konsens für die volle Akzeptanz von Geschiedenen aufbauen können."

"ich finde, in der aktuellen hoch angespannten Atmosphäre, daß es wenig Sinn hat, um jeden Preis Dunkelhäutige zu Bischöfe zu weihen. Der Bischof ist primär der Mittelpunkt der Kirche, der Garant der Einheit innerhalb und außerhalb seines Bistums. (...) Wir müssen irgendwie zumindest vorläufig einen Kompromiß finden, womit alle leben können, bis wir einen Konsens für die volle Akzeptanz von Dunkelhäutigen aufbauen können."

"ich finde, in der aktuellen hoch angespannten Atmosphäre, daß es wenig Sinn hat, um jeden Preis Rothaarige zu Bischöfe zu weihen. Der Bischof ist primär der Mittelpunkt der Kirche, der Garant der Einheit innerhalb und außerhalb seines Bistums. (...) Wir müssen irgendwie zumindest vorläufig einen Kompromiß finden, womit alle leben können, bis wir einen Konsens für die volle Akzeptanz von Rothaarigen aufbauen können."

Ich aber sage Euch: "es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nickt Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau, [nicht Heteros und Homos,] denn ihr alle seid eins in Christus Jesus." (Galater 3, 28)

Im Übrigen geht es keineswegs darum "um jeden Preis aktive Homosexuelle zu Bischöfe zu weihen", es geht nur darum, sie nicht "um jeden Preis" vom Bischofsamt auszuschließen, und darum, dass eine Diözese wie die in New Hampshire das Recht hat, unter Anrufung des Hl. Geistes in synodalem Procedere denjenigen oder diejenige zum Bischof oder zur Bischöfin zu wählen, der/die als Geeignetste(r) eingeschätzt wird...

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BeitragVerfasst: 19. Juni 2009 20:07 
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Lieber Ulrich, es gibt keine ernsten biblischen Argumente gegen die Frauenordination. Es gibt aber einige gegen die praktizierte Homosexualität und dadurch gegen die Weihe von Homosexuellen. Ob sie richtig oder falsch sind, ist eine andere Frage. Solange noch kein Konsens in dieser Frage erreicht werden kann, ist die Weihe homosexueller Bischöfe mMn. nur dann unproblematisch, wenn sie zölibatär leben.


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BeitragVerfasst: 19. Juni 2009 20:41 
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Hallo

ich bin nicht lesbisch, aber wenn das hier die Motivation ist, dass manche Kirchenprovinzen gegen Gene Robinson sind, dann kann ich nur sagen "Gott hat sowohl die Hetero- wie die Homosexuellen erschaffen". Und wenn eine Religion meint, sie könne Gott vorschreiben, wen oder was er zu erschaffen habe und wen oder was nicht... Das soll dann die Sorge der engstirnigen Anhänger dieser Religion sein :D

Zitat: "Die Weihe eines homosexuellen Bischofs habe die Position der anglikanischen Kirche im Sudan gegenüber der islamischen Welt geschwächt: „Wir werden Ungläubige genannt, und islamische Radikale sehen darin einen Anlass, um Christen zu töten“, so Deng."

Quelle: http://domradio.de/aktuell/artikel_43342.html

Gruß
Adsartha


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BeitragVerfasst: 19. Juni 2009 20:55 
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Péter hat geschrieben:
Lieber Ulrich, es gibt keine ernsten biblischen Argumente gegen die Frauenordination. Es gibt aber einige gegen die praktizierte Homosexualität und dadurch gegen die Weihe von Homosexuellen.


Die "ernsten biblischen Argumente" gegen praktizierte Homosexualität sind mMn ebenso wenig stichhaltig wie die vermeintlich "ernsten biblischen Argumente" gegen die Frauenordination (die übrigens auch heutzutage noch von vielen Christen repliziert werden, durchaus auch in Kirchen, die die Frauenordination schon vor Jahrzehnten einführten).

Mein Lieblings-Argument zu diesem Thema lautet:

"The Bible contains 6 admonitions to homosexuals and 362 admonitions to heterosexuals. That doesn't mean that God doesn't love heterosexuals. It's just that they need more supervision.” - "Die Bibel enthält 6 Ermahnungen an Homosexuelle und 362 Ermahnungen an Heterosexuelle. Das heißt aber nicht, dass Gott die Heterosexuellen nicht liebt. Sie müssen nur strenger beaufsichtigt werden." (Lynn Lavner)
:prust:

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BeitragVerfasst: 19. Juni 2009 23:00 
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Ulrich Schürrer hat geschrieben:
Mein Lieblings-Argument zu diesem Thema lautet:

"The Bible contains 6 admonitions to homosexuals and 362 admonitions to heterosexuals. That doesn't mean that God doesn't love heterosexuals. It's just that they need more supervision.” - "Die Bibel enthält 6 Ermahnungen an Homosexuelle und 362 Ermahnungen an Heterosexuelle. Das heißt aber nicht, dass Gott die Heterosexuellen nicht liebt. Sie müssen nur strenger beaufsichtigt werden." (Lynn Lavner)
Wenn Mrs Lavner denn auch mal so nett wäre und diese 6 bzw. 362 Belege nennen würde...

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Und wissen Sie, was Realität ist? Realität ist eine Illusion, die man sich macht, wenn man noch gar nichts getrunken hat... (Cora v. Ablass-Krause)


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BeitragVerfasst: 19. Juni 2009 23:34 
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Ulrich Schürrer hat geschrieben:
JohnGrantham hat geschrieben:
(...) ich finde, in der aktuellen hoch angespannten Atmosphäre, daß es wenig Sinn hat, um jeden Preis aktive Homosexuelle zu Bischöfe zu weihen. Der Bischof ist primär der Mittelpunkt der Kirche, der Garant der Einheit innerhalb und außerhalb seines Bistums. Zwar gebe ich frei zu, es ist sicherlich leicht für mich als Nicht-Betroffener zu sagen, aber es ist mir einfach nicht Wert, die Kirche zu spalten, nur damit man Bischöfe hat, die ohnehin ihre Funktion als Einheitsschlüssel nicht verkörpern können. Wir müssen irgendwie zumindest vorläufig einen Kompromiß finden, womit alle leben können, bis wir einen Konsens für die volle Akzeptanz Homosexueller aufbauen können -- und dabei den Ball flach halten.

"ich finde, in der aktuellen hoch angespannten Atmosphäre, daß es wenig Sinn hat, um jeden Preis Frauen zu Bischöfe zu weihen. Der Bischof ist primär der Mittelpunkt der Kirche, der Garant der Einheit innerhalb und außerhalb seines Bistums. (...) Wir müssen irgendwie zumindest vorläufig einen Kompromiß finden, womit alle leben können, bis wir einen Konsens für die volle Akzeptanz von Frauen aufbauen können."

So schnell vergißt Du, daß ich genau das im Falle der Alt-Katholiken argumentiert habe?

Ulrich Schürrer hat geschrieben:
"ich finde, in der aktuellen hoch angespannten Atmosphäre, daß es wenig Sinn hat, um jeden Preis Geschiedene zu Bischöfe zu weihen. Der Bischof ist primär der Mittelpunkt der Kirche, der Garant der Einheit innerhalb und außerhalb seines Bistums. (...) Wir müssen irgendwie zumindest vorläufig einen Kompromiß finden, womit alle leben können, bis wir einen Konsens für die volle Akzeptanz von Geschiedenen aufbauen können."

Jepp. Auch das (im groben).

Ulrich Schürrer hat geschrieben:
"ich finde, in der aktuellen hoch angespannten Atmosphäre, daß es wenig Sinn hat, um jeden Preis Dunkelhäutige zu Bischöfe zu weihen. Der Bischof ist primär der Mittelpunkt der Kirche, der Garant der Einheit innerhalb und außerhalb seines Bistums. (...) Wir müssen irgendwie zumindest vorläufig einen Kompromiß finden, womit alle leben können, bis wir einen Konsens für die volle Akzeptanz von Dunkelhäutigen aufbauen können."

Ab hier wird's einfach albern.

Ulrich Schürrer hat geschrieben:
Im Übrigen geht es keineswegs darum "um jeden Preis aktive Homosexuelle zu Bischöfe zu weihen", es geht nur darum, sie nicht "um jeden Preis" vom Bischofsamt auszuschließen, und darum, dass eine Diözese wie die in New Hampshire das Recht hat, unter Anrufung des Hl. Geistes in synodalem Procedere denjenigen oder diejenige zum Bischof oder zur ischöfin zu wählen, der/die als Geeignetste(r) eingeschätzt wird...

Die Diözese hat eben nicht einfach so das Recht, den eigenen Bischof zu wählen, nicht mal in ECUSA. Denn jeder gewählte Bischof braucht auch die Zustimmung und Unterstützung der anderen Diözesen in ECUSA -- das ist im Kirchenrecht verankert. (Im jüngsten Fall, Kevin Thew Forrester, der neulich zum Bischof von Northern Michigan gewählt wurde, bekam diese Unterstützung nicht und wird deshalb kein Bischof.)

Diözesen sind nicht einfach eigenständige Institutionen, die alles machen was sie wollen, sondern sind Glieder der Kirche, die Rücksprache mit anderen Diözesen hält, als Ausdruck der Kommunion. Das ist ein Grundstein katholischer Ekklesiologie.

Cheers,

John

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BeitragVerfasst: 19. Juni 2009 23:44 
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Ulrich Schürrer hat geschrieben:
Péter hat geschrieben:
Lieber Ulrich, es gibt keine ernsten biblischen Argumente gegen die Frauenordination. Es gibt aber einige gegen die praktizierte Homosexualität und dadurch gegen die Weihe von Homosexuellen.


Die "ernsten biblischen Argumente" gegen praktizierte Homosexualität sind mMn ebenso wenig stichhaltig wie die vermeintlich "ernsten biblischen Argumente" gegen die Frauenordination (die übrigens auch heutzutage noch von vielen Christen repliziert werden, durchaus auch in Kirchen, die die Frauenordination schon vor Jahrzehnten einführten).

Wir haben allerdings das Problem, daß die große Mehrheit der Christen Homosexualität immer noch für Sünde hält. Zwar sind die erwähnten Bibelstellen tatsächlich viel mißbraucht worden -- dennoch war dieser Mißbrauch Standard in der Geschichte der Kirche.

Ich sehe es nicht für strategisch besonders klug, wenn wir Homosexuelle zu Bischöfen weihen, denn wir grenzen uns selbst dabei aus. Denkst Du, die Konservativen in der Welt hören uns eher zu, wenn wir sie eiskalt ignorieren? It takes two to tango.

Darum finde ich, wir sollen im Gespräch bleiben, uns für die Rechte Homosexueller in anderen Kulturen stark machen (vor allem in Ländern, wo sie verfolgt werden, etwa Nigeria...), aber nichts unternehmen, was das Gespräch de facto abbricht -- denn das hilft den homosexuellen Menschen in der Dritten Welt und sonstwo außerhalb Nordamerika und Westeuropa erst recht nicht.

Der Weg, den ich vorschlage, ist sicherlich bitter und schwierig, ohne Frage. Es wäre ja so einfach, wenn wir rücksichtslos alles machen, was wir wollen. Aber ich halte diesen Weg langfristig für sinnvoller und strategisch kluger -- wie gesagt, man hält den Ball flach.

(Gerade auf Lambeth gab es viel Fortschritt in der Verständigung zwischen den beiden Seiten in den "ndaba"-Gesprächsrunden -- sicherlich noch keine handfesten Ergebnisse, aber zumindest wurde die Atmosphäre teilweise entgiftet. Ich denke, das zeigt, wie fruchtbar dieser Weg sein kann, wenn wir dabei bleiben.)

Cheers,

John

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BeitragVerfasst: 21. September 2009 11:11 
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Raphi hat geschrieben:
Utrechter Union hat geschrieben:
Ringen um neue Strukturen in der anglikanischen
Kirche


...
1) Die Mitgliedskirchen wollen sich bis zur nächsten Versammlung weiter an folgendes
halten: vorläufig keine Bischofsweihen mehr an Menschen, die in gleichgeschlechtlicher Partnerschaft leben; vorläufig keine Inkraftsetzung von offiziellen Liturgien mehr, die die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften zum Inhalt haben; kein Bischof darf „abtrünnige Gemeinden“ eines anderen Bistums unter seine Jurisdiktion aufnehmen oder Bischöfe für diese weihen.
...
Harald Rein

...
Da scheint sich wirklich was zu tun. Die Kirchen sollen keine Homosexuellen mehr Weihen dürfen, bzw. keine homosexuellen Partnerschaften mehr segnen dürfen, dafür sollen keine Parallelstrukturen mehr errichtet werden.


Die letzte Folgerung scheint mir doch sehr steil.
- Es ist nur die Rede davon, "keine Bischofsweihen mehr an Menschen, die in gleichgeschlechtlicher Partnerschaft leben" zu erteilen. Das schließt doch ein, dass solche Menschen in jedem Falle zu Diakonen und Priestern geweiht werden können; ferner, dass zölibatär lebende Homosexuelle auch zu Bischöfen / Bischöfinnen geweiht werden können, oder?
- "vorläufig keine Inkraftsetzung von offiziellen Liturgien mehr, die die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften zum Inhalt haben" - wie schon oben bemerkt, werden solche Segnungen damit ja gar nicht verboten oder abgeschafft, die Liturgien sind halt bloß inoffiziell.

Insofern erscheint der Beschluss bei näherem Hinsehen sehr viel weitherziger, als es zunächst den Anschein hat.

Viele Grüße
joesto

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Der Leib zieht die Seele an sich und öffnet die Sinne; die Sinne aber berühren die Seele und ziehen den Leib an sich. (Hildegard von Bingen)


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BeitragVerfasst: 21. September 2009 12:01 
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Die Episcopal Church hat aber beschlossen, das Moratorium nicht zu verlängern. Es ist also gut denkbar, dass demnächst weitere praktizierende Homosexuelle zu Bischöfen geweiht werden, zwei der sechs Kandidaten in Kalifornien sind ja praktizierende Homosexuelle.

Das Moratorium wurde deshalb nicht verlängert, weil es trotz des Moratoriums zur Bildung der ACNA kam.


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BeitragVerfasst: 21. September 2009 12:19 
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Willibrord hat geschrieben:
Die Episcopal Church hat aber beschlossen, das Moratorium nicht zu verlängern. Es ist also gut denkbar, dass demnächst weitere praktizierende Homosexuelle zu Bischöfen geweiht werden, zwei der sechs Kandidaten in Kalifornien sind ja praktizierende Homosexuelle.

Das Moratorium wurde deshalb nicht verlängert, weil es trotz des Moratoriums zur Bildung der ACNA kam.

'Schuldige, aber was ist das für ein Kirchenrechtsverständnis? Solange eine Resolution nicht ausdrücklich gekippt wurde oder im Text befristet wird, gilt sie weiter. Die Resolution bzgl. Moratorium wurde nicht gekippt -- und darauf hat ++Katherine beim Abstimmen ausdrücklich hingewiesen. Sonst hätte sie m.E. keine so breite Mehrheit bekommen.

Hier ein interessantes Video zum Thema vom Rev. Frank Wade, führende ECUSA-Priester und -Synodaler:



Cheers,

John

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BeitragVerfasst: 21. September 2009 12:31 
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Willibrord hat geschrieben:
zwei der sechs Kandidaten in Kalifornien sind ja praktizierende Homosexuelle.


Was bitte sollen "praktizierende Homosexuelle" sein? Sind die alle von der "Generation Praktikum" oder haben die alle eine eigene Praxis?

"I'm no longer practicing, I'm a professional." :biggrin:

Dieser Ausdruck wird nur noch übertroffen von "bekennender Homosexueller"... :roll:

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