Mensch und Kirche

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 Betreff des Beitrags: low church <> high church
BeitragVerfasst: 29. November 2005 15:56 
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Hallo Zusammen,

wo ist eigentlich der Unterschied zwischen "low church" und "high church"?

Äußert er sich nur rein optisch in der Liturgie oder gibt es auch theologisch-lehramtliche Unterschiede?

Viele Grüße

Flo


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 Betreff des Beitrags: Re: low church <> high church
BeitragVerfasst: 29. November 2005 16:45 
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John Der Echte

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Flo77 hat geschrieben:
Hallo Zusammen,

wo ist eigentlich der Unterschied zwischen "low church" und "high church"?

Äußert er sich nur rein optisch in der Liturgie oder gibt es auch theologisch-lehramtliche Unterschiede?

Viele Grüße

Flo


Hi Flo,

wenn Du eine Antwort auf diese Frage bekommst, laß sie Dir patentieren. ;-)

Eine eindeutige Trennung gibt es nicht. Früher vielleicht noch eher, aber heute sind die Grenzen so fließend geworden, daß man das nur noch ganz schwer sagen kann.

Lustig ist es zum Beispiel in Irland. Die Church of Ireland ist für mich eine ganz eigene Mischung aus "high" and "low". Sie sind dort i. d. R. wegen der Übermacht des irischen Kitschkatholizismus eher nüchtern :-) Im Wortgottesdienst habe ich dort schon ein recht nüchternes Aneinanderreihen von Lesungen gehört und mich dann gewundert, daß beim Hochgebet plötzlich die ganze Gemeinde auf den Knien lag. Oder in St. Patrick's in Dublin: Der Priester hatte nur Chorhemd und Stola an (keine eucharistischen Gewänder), aber hat ostwärts zelebriert mit Kniebeugen während des Hochgebetes.

Ist das dann high oder low?



Ich habe mal gehört, daß low church und high church eher liturgische Stile beschreiben, während evangelical und anglocatholic eher theologische Richtungen beschreiben. Aber auch das ist nicht mehr so eindeutig. So gibt es low church Gemeinden, die eher liberal sind, ebenso aber auch Anglocatholics, die nicht gegen Priesterinnen sind ("Affirming Catholicism").

Indikatoren für die klassische High Church sind für mich die volle eucharistische Liturgie jeden Sonntag, eucharistische Gewänder, ein robed Choir. Dazu können dann noch anglokatholische Elemente wie Weihrauch, Weihwasser, Evangelienprozession,


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 Betreff des Beitrags: Re: low church <> high church
BeitragVerfasst: 29. November 2005 16:56 
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techAdmin
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Ich glaube, die Kurzfassung wäre, "low church" verbindet man mit dem typischen Vorbild der protestanten oder gar reformierten Kirchen und "high church" mit dem der katholischen.

"Low church"-Gemeinden neigen auch dazu, moderne Musik zu verwenden und (im Englischen jedenfalls) modernisierte Sprachformen; dagegen wirken "high church"-Gemeinden i.d.R. traditionell, mit einer (für manche altmodisch wirkenden) erhobenen Sprachform und die Feier wird i.d.R. gesungen und nicht gesprochen.

Aber das hat eigentlich keine theologische Aussage. Zwar stimmt es, dass "low church"-Gemeinden <i>eher</i> eine protestantische Theologie vertreten, und "high church" eher eine katholische, aber das ist nicht grundsätzlich so. Der Begriff beschreibt eher die Art des liturgischen Ausdrucks und nicht unbedingt die Theologie, die dahinter steckt.

Man muss es auch als Sprektrum verstehen, nicht als Entweder/Oder. Man kann also Elemente von beiden haben, und so wird es in fast jeder Gemeinde gemacht. Es gibt äusserst selten eine Gemeinde, die "purely high church" ist, wobei die, die es versuchen, sind öfter "katholischer als die Katholiken"...

Ich für meinen Teil würde mich als "high church" einordnen (Weihrauch, Weihwasser, gesungene Messfeier, King-James-Englisch usw.), aber ich befürworte Frauenpriester und die Segnung von homosexuellen Partnerschaften.

Aber mit dem Rosenkranz hört's bei mir auf. :D

Cheers,

John

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 Betreff des Beitrags: Re: low church <> high church
BeitragVerfasst: 29. November 2005 16:56 
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Hi John,

JHNewman hat geschrieben:
Ich habe mal gehört, daß low church und high church eher liturgische Stile beschreiben, während evangelical und anglocatholic eher theologische Richtungen beschreiben. Aber auch das ist nicht mehr so eindeutig. So gibt es low church Gemeinden, die eher liberal sind, ebenso aber auch Anglocatholics, die nicht gegen Priesterinnen sind ("Affirming Catholicism").

Indikatoren für die klassische High Church sind für mich die volle eucharistische Liturgie jeden Sonntag, eucharistische Gewänder, ein robed Choir. Dazu können dann noch anglokatholische Elemente wie Weihrauch, Weihwasser, Evangelienprozession,
Die Frage ist ja eigentlich werden z.B. unterschiedliche Eucharistieverständnisse gelehrt.

Ich habe mittlerweile so oft die Erklärung "eher protestantisch-calvinistisch" für "low church" gelesen, daß es mir schwerfällt mir eine "unierte" (röm-)katholisch-evangelisch(-refomiert) Kirche vorzustellen, da die Lehren, die jeweils essentiell sind doch häufig diametral sind.

Greetings

Flo


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 Betreff des Beitrags: Re: low church <> high church
BeitragVerfasst: 29. November 2005 17:04 
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techAdmin
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Hi Flo,

Flo77 hat geschrieben:
Ich habe mittlerweile so oft die Erklärung "eher protestantisch-calvinistisch" für "low church" gelesen, daß es mir schwerfällt mir eine "unierte" (röm-)katholisch-evangelisch(-refomiert) Kirche vorzustellen, da die Lehren, die jeweils essentiell sind doch häufig diametral sind.


Was die Lehre der anglikanischen Kirche insgesamt ist, ist eine Sache ("real presence") -- was aber von den einzelnen Gemeinden geglaubt und vertreten wird, ist aber nicht zwingend dasselbe. (Na ja, ist eigentlich in jeder Kirche so, nur bei den Anglikanern etwas stärker ausgeprägt.) Außerdem wird gerade dieses Thema etwas offen gelassen bei den Anglikanern, als eine Art Gewissensfrage.

<a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Transubstantiation#Anglicanism">Dieser Artikel bei Wikipedia</a> trifft es einigermassen gut, oder wie Queen Elizabeth I es formuliert haben soll:

Christ was the word that spake it.
He took the bread and brake it;
And what his words did make it
That I believe and take it.

Cheers,

John

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 Betreff des Beitrags: Re: low church <> high church
BeitragVerfasst: 29. November 2005 17:12 
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John Der Echte

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Flo77 hat geschrieben:
Die Frage ist ja eigentlich werden z.B. unterschiedliche Eucharistieverständnisse gelehrt.

Ich habe mittlerweile so oft die Erklärung "eher protestantisch-calvinistisch" für "low church" gelesen, daß es mir schwerfällt mir eine "unierte" (röm-)katholisch-evangelisch(-refomiert) Kirche vorzustellen, da die Lehren, die jeweils essentiell sind doch häufig diametral sind.


Hi Flo,

das mit dem Calvinismus sollte man schnell vergessen. Man hört das in Deutschland immer wieder im Bezug auf die Anglikaner, aber das hat mit der Realität wenig zu tun. Zwar hat es im 17. und 18. Jahrhundert calvinistische Einflüsse gegeben, aber das macht die Anglikaner noch nicht zu Calvinisten ;-)

Im Kern werden keine unterschiedlichen Eucharistieverständnisse gelehrt. Der Glaube an die Realpräsenz ist grundlegend und drückt sich vor allem in der Liturgie aus. Allerdings wirst Du je nach Flügel der Kirche unterschiedliche Interpretationen der Realpräsenz hören. Die Anglikaner haben sich da nicht wie die Römer auf die Transsubstantiationslehre festgelegt. Während viele Anglokatholiken die TSL lehren und glauben, haben andere eher einen orthodoxen Zugang. Die klassische anglikanische Richtung spricht eher von res significans und res significata, wobei das Bezeichnende das Bezeichnete auch selbst enthält. Traditionellerweise betont die Low Church dabei stärker die geistliche Gegenwart des Herrn in Brot und Wein, die aber als ebenso real aufgefaßt wird.

Eine sehr gute Darstellung des anglikanischen Eucharistieverständnisses findest Du hier: http://www.katapi.org.uk/ChristianFaith/LVIII.htm

Gruß
JHN


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 Betreff des Beitrags: Re: low church <> high church
BeitragVerfasst: 29. November 2005 17:16 
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Womit sich dieser Beitrag erledigt hat.


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BeitragVerfasst: 30. November 2005 12:23 
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Wenn ich einmal die Kirche von England als Beispiel nehme, so kann man feststellen, dass diese Kirche natürlich auch die englische Mentalität wiederspiegelt.

In Deutschland ist die Volksmentalität auf Harmonie und Konsens bedacht.
Hier soll möglichst jede Meinung berücksichtigt werden, so dass zum Schluss etwas entsteht, mit dem sich fast alle identifizieren können.

Daher gibt es in Deutschland weniger Flügelkämpfe (zum Beispiel mit den Gewerkschaften) und weniger Klassengegensätze als in England.
Der Nachteil liegt darin, dass ein ganzes Volk kippen kann und dann alle einem Hitler nachlaufen.

In England kontrollieren sich zwei gegensätzliche Flügel und halten so die Gesellschaft im Gleichgewicht. Dadurch kann dort nicht so schnell etwas passieren wie in Deutschland unter Hitler. Dafür gibt es im Alltag aber mehr Reibungen und Richtungskämpfe.

Die anglikanische Kirche in England mit ihren zwei Flügeln (high und Low) spiegelt also genau diese englische Volksmentalität wider.

Ich persönliche finde das englische System besser.


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BeitragVerfasst: 30. November 2005 12:35 
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John Der Echte

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GerdWS hat geschrieben:
Wenn ich einmal die Kirche von England als Beispiel nehme, so kann man feststellen, dass diese Kirche natürlich auch die englische Mentalität wiederspiegelt.

In Deutschland ist die Volksmentalität auf Harmonie und Konsens bedacht.
Hier soll möglichst jede Meinung berücksichtigt werden, so dass zum Schluss etwas entsteht, mit dem sich fast alle identifizieren können.

Daher gibt es in Deutschland weniger Flügelkämpfe (zum Beispiel mit den Gewerkschaften) und weniger Klassengegensätze als in England.
Der Nachteil liegt darin, dass ein ganzes Volk kippen kann und dann alle einem Hitler nachlaufen.

In England kontrollieren sich zwei gegensätzliche Flügel und halten so die Gesellschaft im Gleichgewicht. Dadurch kann dort nicht so schnell etwas passieren wie in Deutschland unter Hitler. Dafür gibt es im Alltag aber mehr Reibungen und Richtungskämpfe.

Die anglikanische Kirche in England mit ihren zwei Flügeln (high und Low) spiegelt also genau diese englische Volksmentalität wider.

Ich persönliche finde das englische System besser.



Hallo Gerd,

ich finde das englische System auch besser, halte aber Deine Analyse im Kern für nicht zutreffend ;-)

Meiner Meinung nach neigt die dt. Mentalität eher zu Grundsatzdebatten und zum Dogmatismus. Bei jedem ernsthaften Gespräch mit dt. Lutheranern wird jemand die Bekenntnisschriften zücken und sich darauf berufen. Bei Anglikanern passiert Dir sowas selten. Man ist eben keine Bekenntniskirche und ordnet viele Dinge pragmatisch. Man neigt nicht zum Extremismus. Man lebt und läßt andere leben. In der Regel klappt es gut so. Man hat zwar Weihrauch und Weihwasser, aber man kann auch damit leben, daß die Kirche zwei Block weiter den Gottesdienst anders feiert und trotzdem zur gleichen Kirche gehört. In Deutschland undenkbar. Da hätte man längst eine Kirchentrennung vollzogen.

M. E. ist es also mehr die Großherzigkeit der Briten, die so ein Gebilde wie die C of E möglich macht (jedenfalls bis jetzt).

Eine Bekannte, die von britischer Seite aus in der Meißen Kommission sitzt, bemerkte einmal, daß die Gespräche zwischen Briten und Deutschen eben dadurch immer schwierig seien. Die Deutschen denken immer dogmatisch-grundsätzlich, die Briten eher praktisch.

Lustig ist das derzeit bei den Gesprächen mit den Methodisten zu sehen: Die britischen Methodisten finden es gar nicht schlimm, im Zuge der Wiedervereinigung mit den Anglikanern ein Bischofsamt mit ap. Sukzession einzuführen. Warum auch nicht? Die Deutschen würden darüber ewig diskutieren, ob sie das theologisch verantworten können, was das bedeutet, ob das nicht bedeutet, daß man damit die bisherigen Ordinationen als ungültig ansieht etc. Hier käme man nie soweit. ...

Gruß
JHN


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BeitragVerfasst: 30. November 2005 12:46 
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Hallo John,
JHNewman hat geschrieben:
ich finde das englische System auch besser,
Ich nicht. 8)

Zitat:
Bei Anglikanern passiert Dir sowas selten. Man ist eben keine Bekenntniskirche und ordnet viele Dinge pragmatisch.
Ja bitte was ist Kirche denn dann wenn nicht die Gemeinschaft derer, die sich zu Christus BEKENNEN.

Zitat:
Man neigt nicht zum Extremismus. Man lebt und läßt andere leben. In der Regel klappt es gut so. Man hat zwar Weihrauch und Weihwasser, aber man kann auch damit leben, daß die Kirche zwei Block weiter den Gottesdienst anders feiert und trotzdem zur gleichen Kirche gehört.
Das erinnert mich etwas an den alten niederländischen Toleranzbegriff, der sich im nachhinein als Ignoranz entpuppt hat.
Wobei ich das weniger auf den Ritus als auf die theologischen Aussagen bezogen wissen möchte.

Zitat:
M. E. ist es also mehr die Großherzigkeit der Briten, die so ein Gebilde wie die C of E möglich macht (jedenfalls bis jetzt).
"Großherzigkeit" - oder Egalmentalität?

Zitat:
Die britischen Methodisten finden es gar nicht schlimm, im Zuge der Wiedervereinigung mit den Anglikanern ein Bischofsamt mit ap. Sukzession einzuführen. Warum auch nicht? Die Deutschen würden darüber ewig diskutieren, ob sie das theologisch verantworten können, was das bedeutet, ob das nicht bedeutet, daß man damit die bisherigen Ordinationen als ungültig ansieht etc. Hier käme man nie soweit. ...
Aus gutem Grund - schon mal was von Traditionskonstanz gehört.

Es wird einen guten Grund gehabt haben auf die AS zu verzichten - sie jetzt wieder einzuführen müsste extrem gut begründet werden.

Oder man müsste sich tatsächlich eingestehen auf einem Irrweg gewesen zu sein.

Aber wenn alles egal ist ...

Ich finde dieses Vorgehen gelinde gesagt zweifelhaft.

Grüße

Flo


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BeitragVerfasst: 30. November 2005 13:11 
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John Der Echte

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Flo77 hat geschrieben:
Ja bitte was ist Kirche denn dann wenn nicht die Gemeinschaft derer, die sich zu Christus BEKENNEN.


Aber Flo, "Bekenntniskirche" war hier doch klar im konfessionalistischen Sinne gemeint. Die Anglikaner legen aber im Gegensatz zu den Lutheranern etwa Wert darauf, kein Glaubensbekenntnis als allgemeinverbindlich anzunehmen, das sie von der katholischen Tradition trennt. Die 39 Artikel haben bei uns eben nicht den gleichen Stellenwert wie etwa die CA oder die Konkordienformel bei den Lutheranern.

Zitat:
"Großherzigkeit" - oder Egalmentalität?


Daß es sich nicht um "Egalmentalität" handelt, sieht man, wenn man sich die Geschichte bestimmter Konflikte in der C of E ansieht (etwa das Elizabethan Settlement oder die Frage der Katholizität im 19. Jahrhundert). Aber nicht alles, was die deutschen Bedenkenträger als Problem ansehen, muß wirklich eins sein.


Zitat:
Aus gutem Grund - schon mal was von Traditionskonstanz gehört.

Es wird einen guten Grund gehabt haben auf die AS zu verzichten - sie jetzt wieder einzuführen müsste extrem gut begründet werden.

Oder man müsste sich tatsächlich eingestehen auf einem Irrweg gewesen zu sein.

Aber wenn alles egal ist ...

Ich finde dieses Vorgehen gelinde gesagt zweifelhaft.



Quod erat demonstrandum. Du machst eben wieder sofort alles zur Grundsatzfrage - typisch deutsch eben. :D

Warum soll das zweifelhaft sein? Nur, weil die Methodisten darauf schauen, was sie gewinnen können? Weil sie bereit sind, etwas von den Anglikanern anzunehmen, das sie selbst im Moment nicht haben (und auch nicht unbedingt für notwendig erachteten)?

Natürlich gab es Gründe für die Methodisten, auf die AS zu verzichten. Wesley hatte seinen anglikanischen Bischof gebeten, einige Prediger der Methodisten für die Arbeit in Nordamerika zu Priestern zu weihen. Der Bischof hatte abgelehnt. Die Gemeinden in Nordamerika brauchten aber dringend geistliche Betreuung. Schließlich hat Wesley 1784 die Weihen selber vollzogen, obwohl er nur die Priesterweihe hatte. Er bezog sich dabei auf den Gedanken der presbyteralen Sukzession. Es ging in dem historischen Augenblick also weniger darum, daß die Methodisten den Gedanken der episkopalen Sukzession rundheraus ablehnten. Sie hatten 1784 aber keine Möglichkeit, diese beizubehalten, ohne das missionarische Werk in Nordamerika zu gefährden.

Für die britischen Methodisten steht jetzt nicht die Frage im Vordergrund, ob man sich historisch gesehen etwas vergibt, die ap. Sukzession wiederzugewinnen. Aber in den Dialogen mit den Anglikanern war klar, daß eine Vereinigung nur auf dieser Basis zu erreichen ist (für uns ist das unaufgebbar). So sehen die Methodisten eher, daß sie damit ein Zeichen der Konstanz der Tradition gewinnen können. ohne unaufgebbare Elemente ihrer eigenen Tradition zu opfern. Die Ausgestaltung des Bischofsamtes und die Einbettung in die synodalen Strukturen der meth. Kirche bleibt ja ihre Sache, da quatschen ihnen die Anglikaner nicht rein.

Es ist nicht alles egal, aber man kann Dinge immer aus verschiedenen Perspektiven betrachten. Und da neigen die Briten eben zu einem undogmatischen und lösungsorientierten Ansatz. Das heißt nicht, daß diese nicht auch theologisch vertretbar sind.

Wenn ich Deine Statements hier allerdings so lese, frage ich mich, wie der Dialog zwischen den Anglikanern und dem Vatikan unter einem DEUTSCHEN Papst weiterkommen soll :wink:

Gruß
JHN


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BeitragVerfasst: 30. November 2005 13:39 
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Von Papst Ratzinger können die Anglikaner sowieso nichts erwarten, schon wegen seinen hohen Lebensalters. Man darf froh sein, wenn in seiner Amtszeit erste Ansätze eines neueren Dialogs zwischen der RKK und den Orthodoxen zustande kommen. -

Was mich noch bei den Anglikaner interessiert:

Welchen Stellenwert haben die sogenannten "Essentials" (ist das der richtige Ausdruck?)? Und was beinhalten die? Das Apostolische Glaubensbekenntnis und was noch?

Ist im Bewusstsein der Anglikaner alles das, was nicht zu den Essentials gehört, eher zweitrangig und etwas, über das man nicht streiten muss?

Diese pragmatische Toleranz, auch in weniger wichtigen theologischen Fragen, ist etwas, was mich -als dogmatischer Deutscher- fasziniert!


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BeitragVerfasst: 30. November 2005 14:03 
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Ich habe bereits die Anglican/Episcopal World abonniert. Jetzt möchte ich eine weitere anglikanische Zeitschrift abonieren, um mich über die Entwicklung in der Anglican Communion auf dem Laufenden zu halten.

Welche würdet ihr empfehlen?

Die Church Times ist doch eher anglokatholisch, die Church of England Newspaper eher evangelikal? Ist das richtig?

Oder habt ihr noch eine andere Empfehlung?


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BeitragVerfasst: 30. November 2005 14:29 
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techAdmin
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Flo77 hat geschrieben:
Hallo John,


Hallo zurück, aber Deine Antwort ging an JHNewman. ;-)

Flo77 hat geschrieben:
Das erinnert mich etwas an den alten niederländischen Toleranzbegriff, der sich im nachhinein als Ignoranz entpuppt hat.
Wobei ich das weniger auf den Ritus als auf die theologischen Aussagen bezogen wissen möchte.


Es kann also nur eine richtige Theologie geben?

Flo77 hat geschrieben:
"Großherzigkeit" - oder Egalmentalität?


Wie JHNewman schon gesagt, es ist auf keinem Fall "egal". Deswegen haben wir ja diese heftigen Auseinandersetzungen innerhalb der Anglican Communion!

Es ist auch interessant, dass die Methodisten hier als Gegenbeispiel für Identitätsfragen erwähnt werden, wobei sie auch "englisch" sind...

Flo77 hat geschrieben:
Aus gutem Grund - schon mal was von Traditionskonstanz gehört.


"Weil es schon immer so war" ist kein Argument. Im Gegenteil, das ist ein typischer logischer Fehler: Argumentum ad antiquitatem.

Cheers,

John

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BeitragVerfasst: 30. November 2005 14:35 
Gefunden auf der Homepage der anglikanischen Gemeinde Berlin:

Gründe, warum man Anglikaner werden sollte:

1. Du musst Dein Gehirn nicht an der Kirchentür ablegen. Unsere Gemeinschaft legt großen Wert auf drei Gründsätze: Schrift, Tradition und Verstand. Das bedeutet, dass die Bibel nur richtig verstanden werden kann, wenn wir auch Verständnis aufbringen, forschen und ergründen. Lies mit einem offenen und fragenden Geist, und die Bibel wird ihre Schätze offen legen. Ebenso braucht die Tradition den Verstand. Eine Sitte ist nicht notwendigerweise immer sinnvoll nur weil sie alt ist! Egal, wie heilig und ehrwürdig unsere Traditionen sind (z. B. die Tatsache, dass nur Männer ordiniert werden oder Geschiedenen die erneute kirchliche Heirat verwehrt wird), sie sind nicht unabänderlich. Die Freiheit, mit dem Herzen und Intellekt zu ergründen, zu fragen, sowie es über Generationen geschehen ist, und das stete Anwachsen von Wissen lassen sich nicht verleugnen. Dies rettet uns vor einem „Aber in der Bibel steht“-Fundamentalismus, vor einem sklavischen Festhalten an „wie es schon immer gemacht worden ist.“ Fanatismus ist irgendwie furchtbar un-anglikanisch…aber moralische und intellektuelle Courage nicht. Wenn wir in Bestform sind (Desmond Tutu, zum Beispiel), können wir immer noch aufstehen und geradeheraus verkünden: „So spricht der Herr!“

2. Du musst aber auch nicht ein reiner Kopfmensch sein. Unser Gottesdienst ist ein ziemlich üppiges Kaleidoskop an Farbe und Klang und Geschmack… und manchmal sogar Gerüchen. Unsere Körper werden miteinbezogen, durch das Stehen, Sitzen, Knien, den Gang nach vorne, den Friedensgruß, das Singen und das Rezitieren. Symbole sind immer präsent, Symbole zum Betrachten, Symbole zum Berühren, Symbole zum MACHEN. Und die Liturgie ist so eine Art formaler Tanz. Es gibt Muster in unserem Abendmahlsgottesdienst, eine klare Struktur, und ist auf beruhigende Weise ziemlich dasselbe Woche für Woche, eben wie ein bekannter Tanz. Das Jahr selbst hat ebenso ein Muster, das Warten auf die Geburt des Erlösers, Sein Kommen zu Weihnachten, Seine Taufe und Versuchung, Sein Leiden, Sterben und Auferstehen, und dann seine Himmelfahrt und das Kommen des Heiligen Geistes. Jahr für Jahr von Advent bis Pfingsten richten wir unsere Anbetung nach diesem Muster, den Ereignissen im Leben Jesu, der unserem Leben Form und Identität und Sinn gibt. Selbst ein Kind oder ein geistig einfach gestrickter Mensch kann diese Bühne betreten und mit dem Herzen verstehen.

3. Du kannst so merkwürdig sein wie Du willst. Von allen Kirchen gehört die anglikanische zu den liebevollsten und tolerantesten. Ja, sie ist richtig stolz darauf, dass sie keine harten Kanten hat, Themenbereiche ausklammert oder Menschen ausschließt. Ihre Mitglieder haben die größtmögliche Freiheit, den Glauben und die Grenzen zu erforschen, an welche die Tradition kommen kann, und manche tun dies auch. Dies beinhaltet eine typische Bescheidenheit, die oft mit Schwäche verwechselt wird. Der Anglikanismus hasst es einfach, seine Doktrin irgendwie auf einen Punkt festzunageln, seinen Gott zu definieren oder sich in das persönliche Gewissen und die Praktiken seiner Mitglieder einzumischen. Gott ist viel zu groß als dass man über Ihn reden könnte, es sei denn auf provisorische Art, die Menschen sind mehr oder weniger inkonsistent und zwangsläufig sündenvoll, und viele moralische Themen sind zu vielschichtig um pauschal abgefertigt zu werden. „Komm einfach mal mit in die Kirche“ wird der typische Anglikaner sagen als Antwort auf die Frage, was er oder sie denn nun genau glaubt, „und du wirst an unserem Gottesdienst sehen, wie wir sind.“

4. Du kannst so normal sein wie Du willst. Ich bin der anglikanischen Kirche beigetreten in meinen Zwanzigern, weil ich dort – es war eine grauenvolle alte viktorianische Scheune mit einer krächzenden Orgeln – normale Leute fand, die nicht andauernd eine Litanei über Sünde und die Bibel und Erlösung herunterspulten, sondern die sich hinknieten, und ernsthaft und mit wunderbaren Worten beteten. Nach dem Evensong (Abendgebet) gingen sie ein Bier trinken. Im puritanischen Schottland war das mehr als genug für mich, und ich habe nie zurückgeblickt. Ich war nicht der erste und werde sicherlich nicht der letzte sein, der in dieser unvehementen, geräumigen Tradition einen Gott der liebenden Güte und einen Heiler der Wunden entdeckt hat.


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