Mensch und Kirche

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BeitragVerfasst: 29. März 2015 15:03 
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Ich stolpere gerade über diesen Artikel in derDezemberausgabe von CH . Ich zitiere mal wörtlich:


Zitat:
Jesus trägt eine Mitschuld, dass behinderte Menschen von an deren Menschen ausgegrenzt werden“,
erklärte eine Frau im Rollstuhl bei einem regionalen Workshop. [...] Dieser mit großer Leidenschaft vorgetragene Vorwurf irritierte mich. Wie sie ihre Aussage be gründe, wollte ich wissen. Die Antwort fand ich bedenkenswert: Jesus habe Menschen mit ihren Behinderungen nicht als Menschen gesehen, die ein besonderes Merkmal haben, sondern als Menschen, die behindert seien und die deshalb von ihrer Behinderung „be freit“ werden müssten. Dabei werde die „Behinderung“ oder die „chronische Erkrankung“ als ein Makel betrachtet, die einen Menschen „minderwertig“ machen würden. Sie würde gerne auch laufen können, doch sie fühle sich im Rollstuhl nicht „minderwertig“; sie sei einfach anders als andere Menschen.

Und dann, so redete die Frau engagiert weiter, gebe es in der Bibel sogar Stellen, in denen behinderte Menschen als von Dämonen besessen charakterisiert würden. Jesus würde diese Dämonen austreiben, die dann in eine Schweineherde flüchteten, um sich mit diesen in einem See zu ertränken. Somit werden chronisch kranke Menschen im Neuen
Testament als defizitäre Wesen wahrgenommen; das entspräche eindeutig nicht ihrem Menschenbild


Der weitere Text ders Artikels erklärt dann zwar inhaltlich korrekt die aktuelle Rechtslage (wenn er auch verschweigt dass Bund und Läder derzeit nochg massiv gegen dieses geltende Recht verstossen) aber er bringt in der Folge aus meiner Sicht nur sehr schwache Argumente, die diesen schweren Vorwurf entkräften.

Würden mich also mal EURE Gegenargumente interessieren.

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BeitragVerfasst: 29. März 2015 16:03 
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Die Frau will eben nicht einsehen, dass das Gerede von "besonderen Merkmalen" natürlich einfach Blödsinn ist. Das ist ein sprachliches Gesundbeten und euphemistisches Geschwätz.
Natürlich ist sie behindert und sitzt im Rollstuhl. Das als Tatsache anzuerkennen, ist doch nicht schlimm.
Dass jetzt der arme Jesus an Ausgrenzungen Schuld sein soll ist eine groteske und nicht ernstzunehmende Sicht der Dinge.

Da hatte komischerweise Bartimäus eine für die Rollstuhlfahrerin vermutlich überraschende Ansicht:

Als Jesus in fragte: "Was soll ich dir tun?" antwortete der Blinde: "Rabbuni, ich möchte wieder sehen können".

Bartimäus sagte nicht: "Ich fühle mich als Mensch mit einem besonderen Merkmal wohl und pfeife auf dich, du Ausgrenzer."

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Das Gesetz und die Propheten reichen bis zu Johannes; von da an wird das Evangelium vom Reich Gottes verkündigt, und jeder drängt mit Gewalt hinein.

Evangelium nach Lukas 16, 16

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BeitragVerfasst: 29. März 2015 16:10 
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Das kommt bei der ganzen Mode-Bewegung, alles Mögliche für auch normal zu behaupten und überzutolerieren heraus. Dabei muss das Festhalten am gesunden Maß als Orientierung nicht gleich Ausgrenzung alles anderen bedeuten.

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BeitragVerfasst: 29. März 2015 16:19 
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Du, ich erlebe es jede Woche dass Menschen mit Handicap ausgegrenzt werden. Bestes Beispiel vor einigen Monaten ein Gemeinderatsmitglied zu Rollstuhlfahrern, die einen Laden nicht erreichen können weil eine zu hohe Stufe vorhanden ist "Der soll üben".

Undf auch von der Umseztzung des Gesetzes, dass z.B. bauliche Anlagen barrierefrei zu gestalten sind, sind wir Jahrzehnte entfernt. Barrierefrei heiß lt. Gesetz:

* In der allgemein üblichen Weise (also sind Hintereingänge damit schon ausgeschlossen),
* ohne besondere Erschwernis und
* Grundsätzlich ohne fremde Hilfe erreichbar

Das ist schon gelebte Ausgrenzung wenn das nicht erfükllt ist, und Länder wie Kommunen tun sich teilweise sehr schwer damit.

Aber zum Thema:@ Vanni, so einfach wegwischen lassen sich die Bibelzitate meiner Meiung nach nicht. Ich hätte jetzt erwartet dass Du mit konkreten anderen Bibelstellen konterst, die die These widerlegen.

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BeitragVerfasst: 29. März 2015 16:44 
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Kirchenlehrerin (in spe)
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Jetzt habe ich gerade keine Zeit, das in der Dez.Nr. noch einmal nachzulesen, aber an Rheinmaus:
Mit einzelnen Bibelzitaten, die man aus dem Zusammenhang reißt, kann man alles belegen und alles widerlegen.
Wie Jesus zu Menschen auf der Schattenseite des Lebens stand, zu Blinden, Lahmen, Tauben, Aussätzigen, das wird doch aus dem Gesamtzusammenhang aller vier Evangelien klar.

In unseren reichen Ländern Europas haben wir sicher die Pflicht, alle Leiden zu lindern, die mit materiellem Aufwand gelindert werden können. Andererseits wird aber in dieser Hinsicht heute mehr getan als jemals zuvor.(Menschen wie das zitierte Gemeinderatsmitglied mag es immer geben, das will ich damit nicht entschuldigen.)
NRW drückt jetzt auf das Tempo bei der Inklusion in den Schulen; welche Baumaßnahmen das erfordert, lässt sich kaum vorstellen, wobei vor allem die Frage ist, wie weit man den Betroffenen damit wirklich hilft, wenn alle Förderschulen geschlossen werden oder bei den wenigen Schwerstbehinderten (ist eigentlich ein verbotenes Wort) nicht mehr arbeitsfähig sind. Dann sitzen in den Klassen aller Schulformen Schüler/innen "mit Förderbedarf". Dagegen wäre nichts einzuwenden, doch fürchte ich, dass die gegenwärtige erste Generation als "Versuchskaninchen" verheizt wird.

Das hat jetzt nichts mit einer Antwort zu tun, die Rheinmaus erwartete; vielleicht melde ich mich diesbezüglich noch einmal in den nächsten Tagen.

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Alles, was nicht aus Überzeugung getan wird, ist Sünde. (Röm 14, 23.)


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BeitragVerfasst: 29. März 2015 16:49 
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Also nur um das klarzustellen: ich persönlich ziehe nicht in Zweifel dass es ist wie Eilike es beschrieben hat
Zitat:
Wie Jesus zu Menschen auf der Schattenseite des Lebens stand, zu Blinden, Lahmen, Tauben, Aussätzigen, das wird doch aus dem Gesamtzusammenhang aller vier Evangelien klar.


Ich fand allerdings auch dass der entsprechende Artikel in CH das nicht deutlich genug klargestellt hat und dass so die durchaus starken Argumente der Rollstuhlfahrerin größere Wirkung entfalten als die Gegenargumente.

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BeitragVerfasst: 29. März 2015 16:51 
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Das ist keine Ausgrenzung, der ja immer eine Absicht zugrunde liegt, sondern das Versäumnis, diese Leute genügend einzubeziehen. Ich glaube um das Heilwerden in den biblisch bezeugten Heilungen, gemäß einer ungefähren Vorstellung was heil (im Licht) und was demnach nicht heil (überschattet) ist, geht es hier. Diese Vorstellung impliziert aber nicht gleich gewollte Ausgrenzung.

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BeitragVerfasst: 29. März 2015 18:07 
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Ich erlebe im heutigen Deutschland eine Hinwendung zu den Problemen Behinderter, die noch vor einige Jahrzehnten nicht denkbar war. Ich erinnere mich noch aus meiner Schulzeit an das Jahr der Behinderten 1981. Da hat sich soviel getan. Unbeschreiblich.

Die Aussage der zitierten Rollstuhlfahrerin kann ich leider nur als durchgeknallt bezeichen. Meint die das wirklich so, wenn sie Jesus (und damit Gott) so einen Quatsch unterstellt? Ich denke nicht. Das ist eher eine Art Verblendung, die es eben gibt. Genauso wie diesen seltsamen Gemeinderat. der auch nicht die Norm ist.

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BeitragVerfasst: 29. März 2015 18:11 
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Zitat:
Genauso wie diesen seltsamen Gemeinderat. der auch nicht die Norm ist.


Aber leider gar nicht so selten. Und zwar quer durch alle Parteien hindurch.

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