Mensch und Kirche

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BeitragVerfasst: 27. August 2017 14:24 
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Darf man noch Sachen kritisieren oder ist doch alles egal?
Ich greife mir also die Augustausgabe von "Christenheute" und sehe auf der letzten Seite unter "Ansichtssache" einen ganzseitigen Beitrag des Karlsruhers Veit S. über ein hochkompliziertes Thema der UNO bezüglich Atomwaffen.
Eine ganze Seite ein politisches Privatstatement, das m.E. in dieser Form nichts in "Christenheute" zu suchen hat.

Religiöse, christliche Bezüge sind nicht zu finden. Einzig ein nebensächlicher Hinweis auf eine "Resolution" von Teilnehmern des Evangelischen Kirchentages wird gebracht.

Bekommen die das Heft nicht mehr voll oder hat die Redaktion das ungelesen durchgelassen?
Der dreispaltige Artikel ist einfach deplaziert und hat mir den Lesespaß gleich ausgetrieben. Mal sehen was das Heft noch bietet.

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R.I.P.
BeitragVerfasst: 27. August 2017 18:38 
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Also, offen gestanden, nachdem ich lange Jahre relativ fleißig Leserbriefe in Ch geschrieben habe, habe ich mir im Laufe dieses Jahres abgewöhnt, alles zu lesen.
Mit anderen Worten. es gibt Beiträge, da lese ich nur den Namen des Verfassers bzw. der Verfasserin.

Das ist nicht unbedingt richtig, und sicher bin ich darin kein Vorbild. Aber meine Zeit und Kraft sind nicht unbegrenzt.
Ob hier jemand, der diesbezüglich Verantwortung trägt, mitliest, bezweifle ich, weshalb ein Leserbrief sicher der bessere Weg wäre.

Zum o.g. Beitrag kann ich nichts sagen. Ich habe ihn (noch) nicht gelesen.

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BeitragVerfasst: 27. August 2017 19:38 
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Eilike hat geschrieben:
Mit anderen Worten. es gibt Beiträge, da lese ich nur den Namen des Verfassers bzw. der Verfasserin.



Ich habe jetzt brav sonntägich das Augustheft durchgelesen.

Der Autor hat noch zwei Beiträge in der Ausgabe. Offenbar schreibt er gerne in religiösen Blättern (auch in "seltsamen"):

https://www.tempelgesellschaft.de/posts ... 15-426.php

https://de.wikipedia.org/wiki/Tempelgesellschaft

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BeitragVerfasst: 27. August 2017 20:06 
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Eilike hat geschrieben:
...da lese ich nur den Namen des Verfassers bzw. der Verfasserin.


Geht mir auch so. Neben den Nachrichten, die man, wenigstens zum großen Teil, auf der HP des Bistums schon gelesen hat; denen aus Gemeinden, die auch mal mehr oder weniger interessant sind (man klickert sich ja nicht durch sämtliche Gemeinden, um meistens doch festzustellen, dass die jeweilige HP nicht gerade aktuell ist ...), stößt man immer wieder auf die "üblichen Verdächtigen" (nein, Respekt, wer sich da engagiert; bei einem vergleichsweise "kleinen Haufen", wie wir es sind, dürfte es schon schwierig sein, AutorInnen zu finden).

Bei den eher meditativ-wortspielerischen Beiträgen findet sich das eine oder andere Highlight, und dafür lohnt's.

Und verglichen mit der Mainzer Kirchenzeitung "Glaube und Schönheit" - Verzeihung: "Glaube und Leben" - ist CH dann doch nicht so schlecht, weil "persönlicher", in einer kleinen Kirche einen selbst "betreffender".
GuL hatte übrigens zur heutigen Bischofsweihe des Nachfolgers von Kard. Lehmann, Peter Kohlgraf, eine 64-seitige (! - in Worten: vierundsechzig-seitige) Sonderbeilage ... Nun ja.

CH - lesen muss man trotzdem nicht alles. :zwinkern2:


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R.I.P.
BeitragVerfasst: 27. August 2017 22:53 
Kirchenlehrerin (in spe)
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Wenn man keinen Leserbrief schreiben will, gibt es natürlich auch noch die Möglichkeit, dem Verfasser persönlich zu schreiben.
Das hast den Vorteil, dass man selbst die Ausführlichkeit bestimmen kann, statt bezüglich der Länge an eine "kurze Leine" genommen wird.

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BeitragVerfasst: 27. August 2017 23:23 
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Ich denke, da muss die Redaktion mehr auf Qualität achten. Sonst kann man das Bättchen vergessen.
Ich war nach meiner heutigen Lektüre auf jeden Fall sehr beeindruckt. Leider im negativen Sinne. Die Blödelei (?) auf Seite 12 war "komisch".

Auch der kritiklose (bzw. ahnungslos-werbende) Artikel über Oikocredit auf Seite 29 (Autor ist wiederum Veit S.) stimmt bedenklich.
Eine selten schlechte Ausgabe.

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R.I.P.
BeitragVerfasst: 3. September 2017 13:05 
Kirchenlehrerin (in spe)
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Wer sich - zu recht - über die August-Nummer von Christen heute geärgert hat, sollte trotzdem nicht versäumen, die nächste Nummer zur Hand zu nehmen, (auch wenn auf dem Deckblatt versehentlich wieder "August 2017" steht).
Die jüngste Ausgabe ist um Welten besser; es gibt einige wirklich lesenswerte Artikel zum Thema 'Versöhnung' und mehrere gute Beiträge zur Würdigung unseres verstorbenen Alt-Bischofs Joachim.
Worauf ich aber besonders hinweisen möchte, ist die letzte Seite mit der 'Ansichtssache'. Wäre nicht als Verfasser Dekan i.R. Harald Klein ausdrücklich genannt, würde man kaum glauben, dass der Text von einem Ruheständler stammt. Dem Autor vielen Dank!
Man kann mit den einzelnen konkreten Vorschlägen einverstanden sein oder nicht - auf jeden Fall lohnt es sich, darüber zu diskutieren, und zwar möglichst vor Ort, also in den Gemeinden.
Deshalb, Leute, lest, lest, lest!

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BeitragVerfasst: 5. September 2017 13:48 
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Eilike hat geschrieben:
Deshalb, Leute, lest, lest, lest!


Und was lese ich da? -Seite 8: "Als Charles de Gaulle und Konrad Adenauer sich am 12. September 1984 über den Gräbern von Verdun die Hand reichten, war das ein großartiges Zeichen......"



Wie bitte??? "Konrad der Große" ist ja sehr alt geworden, aber 1984 lag er dann doch schon 17 Jahre auf dem Rhöndorfer Waldfriedhof.

Die beiden Händchenhalter waren Helmut Kohl und Francois Mitterand. - Das hätte eigentlich beim Korrekturlesen auffallen müssen.

Aber vielleicht wird ja auch gar nicht Korrektur gelesen, denn inhaltlich...:

Großartiges Zeichen der Versöhnung? -Haben ich und ein Großteil der jungen Erwachsenen in den achtziger Jahren doch ganz anders, nämlich als eher peinliche Veranstaltung wahrgenommen:
Die Versöhnungsarbeit war bereits in den fünfziger, sechziger und siebziger Jahren geleistet worden, tatsächlich bereits von de Gaulle und Adenauer, vor allem aber von der Bevölkerung der beiden Nachbarländer. Hier ,1984, haben zwei Politiker versucht sich im Nachhinein einen Hut aufzusetzen, der ihnen nicht gehörte.
Wolfgang Niedecken formulierte damals treffend über die beiden Herren :

"Ahl Männer, die Hand enn Hand als Denkmal uss Schmalz
Ahndächtig vüür Kameras posiere, ennwendig ihßkalt
Ihr Trauer, die duut jeboore, als Kür em Protokoll
Vüürm Festbankett absolviere – ich weiß, wat die soll.

Paradeschritt, Marschmusik, Schwazz-Ruut-Jold em Wind
Un platteste Sprüch parat für Opfer, die blind..."


Tschja, und was die Ansichtssache von Dekan a. D. Klein angeht: durchaus interessante Gedanken dabei, aber vielleicht führt die Forderung nach Courage in liturgischen Zusammenhang doch eher auf Holzwege.


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R.I.P.
BeitragVerfasst: 5. September 2017 16:14 
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Oh Winnie, da hast du mich auf dem falschen Fuß erwischt! Historisch und politisch hast du mit deiner Kritik am Beitrag S.8 f. natürlich Recht. Vermutlich liest auch niemand bezgl. des Inhalts Korrektur.

Bei der Aufforderung zum Lesen hatte ich vor allem die letzte Seite im Blick; da kann man über vieles gerne streiten und auch unterschiedlicher Meinung sein, aber möglichst mündlich; das ist mir schriftlich jetzt zu anstrengend.

Das Grab Konrads des Großen habe ich tatsächlich schon im Sommer 1967 auf dem Rhöndorfer Friedhof gesehen. Da bin ich an einem Nachmittag kreuz und quer hin und her gelaufen, weil ich das Grab von Prof. Fritz Tillmann besuchen wollte, was mir mit viel Glück ganz am Ende auch gelungen ist.

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BeitragVerfasst: 5. September 2017 22:47 
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Eilike hat geschrieben:
Bei der Aufforderung zum Lesen hatte ich vor allem die letzte Seite im Blick; da kann man über vieles gerne streiten und auch unterschiedlicher Meinung sein, aber möglichst mündlich; das ist mir schriftlich jetzt zu anstrengend.


Vollkommen richtig. Die einzelnen Punkte des Artikels hier durchzugehen, würde sicher den Rahmen sprengen. Mir ging es nur darum nur grundsätzlich die Forderung nach "Courage" bei liturgischen Änderungen/Neuerungen mal etwas in Frage zu stellen, meines Erachtens wäre das eher das Gebiet für die "Tugenden" Behutsamkeit, Aufmerksamkeit, Klugheit, Bedachtsamkeit und Rücksicht.


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R.I.P.
BeitragVerfasst: 6. September 2017 15:44 
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winnie hat geschrieben:
Mir ging es nur darum nur grundsätzlich die Forderung nach "Courage" bei liturgischen Änderungen/Neuerungen mal etwas in Frage zu stellen, meines Erachtens wäre das eher das Gebiet für die "Tugenden" Behutsamkeit, Aufmerksamkeit, Klugheit, Bedachtsamkeit und Rücksicht.


Für mich ist Liturgie nicht vom Himmel gefallen und deshalb nicht tabu. Sie wurde von Menschen gemacht und von den ersten christlichen Gemeinden bis heute immer wieder von Menschen weiterentwickelt.

Sicher ist gegen die von dir genannten Tugenden nichts einzuwenden, aber oft genug war auch eine gehörige Portion Courage notwendig.
Das gilt für Martin Luther, für Adolf Thürlings und - noch zu meinen Lebzeiten - für die Väter des II. Vatikanischen Konzils.

Übrigens: Aus praktischen Gründen bin ich froh über die Nähe unserer liturgischen Ordnung zur rk. Liturgie. Aber immerhin hatten wir auch schon den Mut zu einem Kalendarium mit eigenen Gedenktagen, zu einem ergänzenden eigenen Lektionar und vor allem zu einem recht gelungenen Altarbuch. Und sollte Rom sich "bis zum nächsten Konzil" ausruhen auf der Konzilskonstitution, werden wir hoffentlich die Courage aufbringen, uns trotzdem weiterzuentwickeln.

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BeitragVerfasst: 6. September 2017 16:35 
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Eilike hat geschrieben:
Für mich ist Liturgie nicht vom Himmel gefallen und deshalb nicht tabu. Sie wurde von Menschen gemacht und von den ersten christlichen Gemeinden bis heute immer wieder von Menschen weiterentwickelt.



Im UVS-Thread geht gerade um Menschen, die sich zu Spezialthemen der orthodoxen Liturgie hingezogen fühlen.
Ja...die "Göttliche Liturgie"....
Die ist auch nicht eines Tages so den Gläubigen per himmlischer Erscheinung aufgegeben worden.

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BeitragVerfasst: 6. September 2017 16:51 
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winnie hat geschrieben:

Vollkommen richtig. Die einzelnen Punkte des Artikels hier durchzugehen, würde sicher den Rahmen sprengen.


Kann mir mal jemand die Punkte (Thesen) kurz sagen?

Kriege (äh...bekomme /erhalte) das Heft erst am Wochenende.

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R.I.P.
BeitragVerfasst: 6. September 2017 18:02 
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Vanni145 hat geschrieben:
Kann mir mal jemand die Punkte (Thesen) kurz sagen?Kriege (äh...bekomme /erhalte) das Heft erst am Wochenende.

Das ist ganz schwierig. Gedulde dich noch die paar Tage; Vorfreude ist auch eine Freude.

Vanni145 hat geschrieben:
Im UVS-Thread geht gerade um Menschen, die sich zu Spezialthemen der orthodoxen Liturgie hingezogen fühlen.Ja...die "Göttliche Liturgie"....

Das alleine wäre schon für mich ein hinreichender Grund, niemals einer Orthodoxen Kirche beizutreten.
Diese Liturgie kann niemals Ausdruck meines Glaubens sein; ich erlebe sie nur als Folklore.

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BeitragVerfasst: 6. September 2017 18:25 
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Eilike hat geschrieben:
winnie hat geschrieben:
Mir ging es nur darum nur grundsätzlich die Forderung nach "Courage" bei liturgischen Änderungen/Neuerungen mal etwas in Frage zu stellen, meines Erachtens wäre das eher das Gebiet für die "Tugenden" Behutsamkeit, Aufmerksamkeit, Klugheit, Bedachtsamkeit und Rücksicht.


Für mich ist Liturgie nicht vom Himmel gefallen und deshalb nicht tabu. .


Vollkommen richtig. Liturgie fällt nicht vom Himmel, sondern hat sich entwickelt und wird auch entwickelt. (Insofern führt auch das Sprechen von der organisch gewordenen Liturgie in die Irre. Es verschleiert nur, dass wir in den meisten Fällen keine Quellen befragen können, wann genau diese oder jene liturgische Änderung/Neuerung eingeführt worden ist. Das geben die Quellen meist nicht her. Wir können ihnen allenfalls entnehmen, dass ein bestimmter Sachverhalt zu einem bestimmten Zeitpunkt so ist. Dass irgendjemand -eine kirchliche oder weltliche Autorität- das dann irgendwann so geordnet hat, ist eigentlich nicht zu bezweifeln. Wir wissen aber halt nicht wer es genau wann war.)

Trotzdem ist Liturgie auch der Raum, in dem sich auch persönliches Gebet, vielleicht sogar persönliche Gottesbegegnung und Gotteserfahrung sich abspielen können und könnten.
Nun kann ich als Seelsorger oder engagierter Gläubiger der Meinung sein, dass in der tradierten Form der eigenen Liturgie zu wenige Menschen erreicht werden, dass für die grössere Masse andere Formen ausprobiert/gefunden werden müssten. Auch das ist eine legitime Überlegung.
Dennoch würde ich für einen gewissen Bestandsschutz plädieren, auf den die Menschen ein Recht haben, die mit der tradierten Form gut leben können und die in der tradierten Form einen wesentlichen Teil ihrer Gottesbeziehung leben.

Das ist das, was bei dem Ruf nach Courage in der liturgischen Erneuerung leider oft übersehen wird, was von eifrigen Liturgiekreisen gerne verdrängt wird.

Ein kleines Beispiel aus meinem engeren Familienkreis mag die Problematik zeigen.
Voraussschicken muss ich freilich, dass ich seit Anfang 2014 stark in die Pflege meiner Eltern, bzw. nach dem Tod meines Vaters in die Pflege meiner Mutter eingespannt bin und an unserem sonntäglichen Gemeindegottesdienst sowie Arbeitskreisen der Gemeinde selten bzw. nicht mehr teilnehmen kann. Ich versuche dann in Bonn (=dem elterlichen Wohnort) zur Messe zu gehen, sei es nun in Cyprian, Namen Jesu oder bei der rk Konkurrenz, während meine Familie meist noch in Köln zur Sonntagsmesse geht bzw. ging.

Denn zur Beginn der diesjährigen Fastenzeit überraschte am Aschermittwochabend der Liturgiekreis die Gemeinde mit einer umgeräumten Kirche: der Altar aus dem Altarraum in die Mitte des Kirchenraumes geräumt, das Ambo verstellt usw. Das Ganze sollte das Thema "Perspektivwechsel" erfahrbar machen. Diese Möblierung des Kirchenraumes solle dann bis Ostern so bleiben. Predigten und Impulse in der Fastenzeit sollten dann durchgängig zum Thema "Perspektivwechsel" sein.
Dazu gab es ein kopiertes persönliches Statement eines älteren Priesters, das theologisch unterirdisch war, aber offensichtlich von den anderen Klerikern und Laien nicht unbedingt mitgetragen wurde, so dass man es als normales Gemeindemitglied ruhig in die Tasche stecken und dort vergessen konnte. Und auch die Umräumaktion des vertrauten Kirchenraumes beschloss ich geduldig zu ertragen, obwohl es für mich doch etwas zu sehr nach Aktivismus roch und ich auch kurze Zeit nach dem Tode meines Vaters auf Wurschteleien am Gottesdienst gerne verzichtet hätte.

Aber ... Mein inzwischen bereits pubertierender Sohn jedoch war schon vorher in die Kirche geeilt, um zu ministrieren. Er nahm die veränderte Ordnung wahr und verlor umgehend die Lust, sein Vorhaben auszuführen. Mit hochrotem Kopf setze er sich neben mich: "Papa, was soll das?" Ich sagte, er es solle mal abwarten. Es würde gleich erklärt. Die Erklärung kam dann auch, überzeugte ihn aber offensichtlich nicht. Er hatte direkt nach dem Gottesdienst ein halbes Dutzend -altersgemäß gute -Gründe, warum der vom Liturgiekreis verordnete Perspektivwechsel "Scheiße" sei.

"Nun", dachte ich, "er wird sich abregen". Es dauerte eine Weile, ein paar Wochen bis ich begriff, dass er genau das nicht tat. Er vermied er fortan konsequent in der Fastenzeit die Gemeinde aufzusuchen, an den Gottesdiensten teilzunehmen. Stattdessen ging er selbsttätig in andere Gottesdienste -bei den hiesigen Römern oder in Bonn nach Namen Jesu, wo wir uns dann ggfs und zu meiner Überraschung trafen.. (Kann er mit seinem Schülerticket problemlos erreichen, und auch die Fahrzeit ist unwesentlich länger, als wenn er i die Kölner ak Gemeinde führe.)

Mit den Ostergottesdiensten ist der eigentliche Stein es Anstoßes weg. Die alte Ordnung in der Gemeinde wieder da. Trotzdem ist das Element der Entfremdung geblieben. Er fährt lieber nach Bonn zur Messe und spricht von der Kölner Gemeinde nicht mehr selbstverständlich als "seiner Gemeinde".

Ein Perspektivwechsel ist also offensichtlich erreicht worden, aber wohl nicht der intendierte. Und vermutlich ist es auch der von seinem Urgroßvater ererbten niederrheinischen Dickschädeligkeit zu verdanken, dass er nach dieser Irritation überhaupt weiter zum Gottesdienst geht. Andere Jugendliche würden wohl eher ganz zuhause bleiben.

Eilike hat geschrieben:
Übrigens: Aus praktischen Gründen bin ich froh über die Nähe unserer liturgischen Ordnung zur rk. Liturgie. Aber immerhin hatten wir auch schon den Mut zu einem Kalendarium mit eigenen Gedenktagen, zu einem ergänzenden eigenen Lektionar und vor allem zu einem recht gelungenen Altarbuch. Und sollte Rom sich "bis zum nächsten Konzil" ausruhen auf der Konzilskonstitution, werden wir hoffentlich die Courage aufbringen, uns trotzdem weiterzuentwickeln.


Das sehe ich auch so, scheint aber für Dekan i. R. Klein Stein des Anstoßes zu sein: "Warum haben wir zum Beispiel im Liturgischen eine fast ängstliche Übereinstimmung mit der Liturgie der Großkirchen?"


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