Mensch und Kirche

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 Betreff des Beitrags: Ladendiebstahl in Not erlaubt
BeitragVerfasst: 23. Dezember 2009 15:28 
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Du sollst nicht Stehlen, Du sollst nicht falsches Zeugnis ablegen etc. ...

Dazu: http://www.kath.net/detail.php?id=25015

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 Betreff des Beitrags: Re: Ladendiebstahl in Not erlaubt
BeitragVerfasst: 23. Dezember 2009 16:21 
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Das ist doch selbst geklaut; das Stehlen in der Not predigte schon 1946 der rk. Kölner Erzbischof Josef Kardinal Frings.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ladendiebstahl in Not erlaubt
BeitragVerfasst: 23. Dezember 2009 16:37 
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techAdmin

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Willibrord hat geschrieben:
Das ist doch selbst geklaut; das Stehlen in der Not predigte schon 1946 der rk. Kölner Erzbischof Josef Kardinal Frings.


Das hat auch Frings nicht erfunden, das ist schon älter. Diebstahl aus einem vitalen Notstand heraus kann unter Umständen straffrei sein. Allerdings bleibt eine Pflicht auf Erstattung des Schadens bestehen, das ist klar. Vollstreckbarer Titel 30 Jahre lang...


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 Betreff des Beitrags: Re: Ladendiebstahl in Not erlaubt
BeitragVerfasst: 23. Dezember 2009 16:44 
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ja aber moralisch? ich finde es ok.

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 Betreff des Beitrags: Re: Ladendiebstahl in Not erlaubt
BeitragVerfasst: 29. Dezember 2009 10:06 
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Es gab ja mal ein Verb dafür: fringsen..., ich fringse, Du fringst, er/sie/es fringst, wir fringsen usw..

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 Betreff des Beitrags: Re: Ladendiebstahl in Not erlaubt
BeitragVerfasst: 29. Dezember 2009 12:46 
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Silesia hat geschrieben:
Es gab ja mal ein Verb dafür: fringsen


Ich glaube, das ist nach über 60 Jahren erklärungsbedürftig:

Wikipedia: Frings hat geschrieben:
Josef Kardinal Frings, später häufig auch Joseph, (* 6. Februar 1887 in Neuss; † 17. Dezember 1978 in Köln) war Erzbischof des Erzbistums Köln.

(...)

Frings wurde mit dem Wort „fringsen“ für „Mundraub begehen“ in der deutschen Sprache verewigt. Der Begriff geht zurück auf seine am 31. Dezember 1946 in der St. Engelbert Kirche in Köln-Riehl gehaltene Silvesterpredigt, in der er mit Bezug auf die Plünderungen von Kohlenzügen und die schlechte Versorgungslage in einem grimmigen Winter ausführte:

„Wir leben in Zeiten, da in der Not auch der einzelne das wird nehmen dürfen, was er zur Erhaltung seines Lebens und seiner Gesundheit notwendig hat, wenn er es auf andere Weise, durch seine Arbeit oder durch Bitten, nicht erlangen kann.“

Danach nannte man in Köln und später in ganz Deutschland das „Organisieren“ von Lebensmitteln und Heizstoffen „fringsen“ (mit weichem „s“ gesprochen), dazu siehe auch Kohlenklau. Der nächste Satz der Predigt

„Aber ich glaube, dass in vielen Fällen weit darüber hinausgegangen worden ist. Und da gibt es nur einen Weg: unverzüglich unrechtes Gut zurückgeben, sonst gibt es keine Verzeihung bei Gott.“

wurde dabei oft nicht wahrgenommen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Ladendiebstahl in Not erlaubt
BeitragVerfasst: 29. Dezember 2009 14:27 
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Ulrich Schürrer hat geschrieben:
„Wir leben in Zeiten, da in der Not auch der einzelne das wird nehmen dürfen, was er zur Erhaltung seines Lebens und seiner Gesundheit notwendig hat,...


Genau. Entsprechend eng ausgelegt - worauf Frings auch hingewiesen hat.

So würde ich es auch verstehen, und dem auch zustimmen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ladendiebstahl in Not erlaubt
BeitragVerfasst: 10. August 2011 15:55 
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 Betreff des Beitrags: Re: Ladendiebstahl in Not erlaubt
BeitragVerfasst: 10. August 2011 17:40 
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Aldo1 hat geschrieben:
wie aktuell!


Wo? In Ostafrika?


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 Betreff des Beitrags: Re: Ladendiebstahl in Not erlaubt
BeitragVerfasst: 10. August 2011 17:51 
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Nee in der Schweiz z.B.! Ich habe selbst Kinder, die in Heimen untergebracht waren und nicht richtig und ausreichend ernährt wurden (und das Geld in Gehälter und für die Zukunft vorgehaltene Immobilien floß) zum Mundraub aufgefordert! Was sollten sie tun, da Beschwerden erfolglos blieben?

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 Betreff des Beitrags: Re: Ladendiebstahl in Not erlaubt
BeitragVerfasst: 10. August 2011 18:36 
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Lothar1962 hat geschrieben:
Aldo1 hat geschrieben:
wie aktuell!


Wo? In Ostafrika?




In Großbritannien!

Das, was zur Zeit dort geschieht, wird von gewissen Gutmenschen-Medien ja als eine Art "Mundraub" gewertet.....


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 Betreff des Beitrags: Re: Ladendiebstahl in Not erlaubt
BeitragVerfasst: 10. August 2011 19:38 
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Aldo1 hat geschrieben:
Das, was zur Zeit dort geschieht, wird von gewissen Gutmenschen-Medien ja als eine Art "Mundraub" gewertet.....


Mundraub von Markenklamotten, Handys und teuren Uhren. Aha.

Na ja, ich bin da wohl anderer Meinung. Aber damit kann ich leben.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ladendiebstahl in Not erlaubt
BeitragVerfasst: 11. August 2011 00:10 
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John Der Echte

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Aldo1 hat geschrieben:
In Großbritannien!

Das, was zur Zeit dort geschieht, wird von gewissen Gutmenschen-Medien ja als eine Art "Mundraub" gewertet.....


Belege? Oder nur wieder eine Deiner unsinnigen Behauptungen?


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 Betreff des Beitrags: Re: Ladendiebstahl in Not erlaubt
BeitragVerfasst: 11. August 2011 07:06 
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Egal, auch wenn es so teilweise ist und dann derjenige sich sicher auch individuelle Schuld auf sich lädt - hat das nicht auch letztlich vor allem soziale Wurzeln?

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 Betreff des Beitrags: Re: Ladendiebstahl in Not erlaubt
BeitragVerfasst: 11. August 2011 08:04 
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techAdmin

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Silesia hat geschrieben:
Egal, auch wenn es so teilweise ist und dann derjenige sich sicher auch individuelle Schuld auf sich lädt - hat das nicht auch letztlich vor allem soziale Wurzeln?


Natürlich. Die Gesellschaft in GB ist immer noch gespalten - es gibt die (schmale) Mittelschicht und die Oberschicht, und weit davon entfernt die Unterschicht. Und letztere ist auch wieder gespalten. Das macht es auch der Politik vergleichsweise einfach, zu teilen und zu herrschen.

Selbst bei vielen an sich sozial eingestellten Briten ist eine latente Ablehnung der Unterschicht zu bemerken. "Klasse" ist alles, und "Klasse" kostet Geld.

In Vierteln wie Acton, Tottenham oder in Teilen des East Ends oder in bestimmten Stadtteilen Croydons leben viele Jugendliche in zweiter Generation der "Habenichtse": Nachkommen von postkolonialen Einwanderern, die es nicht schafften, ihre Kinder zu erziehen. Die kommen nie hoch, wie sollten sie das auch können. Und jetzt kommt dazu, dass der Staat genau dort spart, wo es viel kostet - nämlich in den Bildungs- und Sozialausgaben.

Verhungern tun kaum jemand - meist sind das dann Drogensüchtige oder anderweitig Kranke. Aber eine Zukunft außerhalb Tagesjobs, Kleinkriminalität, Sozialhilfe und miserablen Wohnungen ist kaum zu sehen. Das macht ärgerlich. Auch auf Leute der eigenen Schicht - auf kurdische oder bengalische Kneipiers, auf den kleinen indischen Laden in der Nachbarschaft, auf den pakistanischen Friseur, aus dessen Laden es immer nach verbrannten Haaren riecht, weil er die feinen Härchen am Ohr mit einem Feuerzeug absengt (tatsächlich....).

Und dann kommt noch dazu, dass in Großbritannien viel latente Gewalt herrscht. Wenn sie loslegen, dann richtig.

Dennoch ist das kein "Mundraub", sondern eher mit einem Bürgerkrieg vergleichbar.

Beispiel aus dem nördlichen Cambridgeshire: Ein kleiner Ort, vielleicht 1500 Einwohner. Seit mehreren Jahren kein vernünftiger Busanschluß mehr irgendwo hin, die Schüler fahren mit dem Schulbus. Im Dorf: Keinerlei Möglichkeiten, irgendwas zu machen. Alkoholismus, wohin das Auge schaut, unter den Erwachsenen vielleicht um die 20%. Schüler machen eher auf Bingedrinking am Wochenende. Manche Eltern haben schon ihre Erziehungsaufgabe aufgegeben - "die Polizei bringt ja die Kinder in die Schule, wenn sie schwänzen". So wird das alles nichts, so lernt man nichts. Ach ja: Die Post hat schon seit Jahren zu, keine Einkaufsmöglichkeiten am Ort, der Pub hat den Essensverkauf eingestellt und bedient zu 80% Schluckspechte.

Mein Cousin lebt dort als Freiberufler. Nebenbei managt er den ansässigen Sportverein als Vereinsvorsitzender und als Jugendtrainer. Als er angefangen hat, die im Bore-out versinkenden Dorfjugendlichen in den Sport zu ziehen, haben ihn alle schräg angeschaut - mit "Low class youth with unsocial behaviour" darf man doch nichts zu tun haben wollen...

Seine Frau arbeitet im 30km entfernten Cambridge und bringt schon mal für ältere Dorfbewohner, die sich den Bus (!) zum Tesco-Einkaufszentrum nicht leisten können oder aufgrund körperlicher Einschränkungen die sehr unbequeme Busfahrt (zweimaliges Umsteigen, runtergerittene Uralt-Busse) nicht mehr auf sich nehmen wollen, die Einkäufe mit. Gegen ein kleines Trinkgeld.

Großbritannien ist kein Sozialstaat und war nie ein Sozialstaat. Das einzige, was wirklich gut funktioniert (für einen dermaßen magersüchtigen Staat) ist das Gesundheitswesen, welches tatsächlich besser ist als sein Ruf.

Aber dennoch: Man zündet keine Läden an und stiehlt keine Markenklamotten, Markenuhren oder Blackberrys und definiert das als Mundraub. Und deswegen werden derzeit völlig zu Recht Unmengen an Verhafteten verurteilt.

An der Problematik des ehemals reichsten Landes Europas ändert sich nichts - wenig wirtschaftliche Wertschöpfung im Land, Überschuldung, Misswirtschaft und ein arg magersüchtiges Bildungssystem, welches nach dem normalen Schulabschluss fast nur mit Stipendien oder reichen Eltern einen "Aufstieg" zulässt. Man müsste Geld in die Hand nehmen. Das hat man aber nicht.

Als es den Briten noch gutgegangen ist, sind auch Brosamen für die Ärmsten der Armen abgefallen. Aber den Briten geht es nicht mehr so gut: Als Busfahrer verdient man ca. 20.000 Pfund im Jahr, einschließlich der Nachtzuschläge. Als Laborleiter in einem pharmazeutischen Unternehmen verdient man - sofern man studierter Biologe ist, etwa 30.000 Pfund pro Jahr. Als promovierter Neurobiologe mit ca. 10 Jahren Berufserfahrung kriegt man ca. 38.000 Pfund pro Jahr. Und als ungelernte Haushaltshilfe kommt man etwa auf 13.000 Pfund. Brutto, versteht sich. Das Wohnen ist nicht billiger als bei uns, die Lebensmittel nur dann, wenn man bei Tesco kauft. Und Tesco ist nicht überall.


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